Tresor.West
Matthias Spiewok
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Tresor.West setzt DJ-Honorare unter Deckel

Der Dortmunder Club Tresor.West, setzt auf Obergrenze beim Booking und macht damit der angespannten Lage vieler Musikspielstätten in Deutschland eine Ansage.

Im Tresor.West, die Schwesterlocation des Berliner Techno-Instituts Tresor, gilt seit dem 1. Januar eine Obergrenze für DJ-Gagen, „unabhängig von Musikstil, Reichweite oder Bekanntheitsgrad der einzelnen Künstler“. In einer Stellungnahme auf Instagram erklärte das Team, man reagiere damit auf die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen Veranstaltungsorte im ganzen Land zu kämpfen hätten. Inflation, steigende Fixkosten und die anhaltenden Nachwirkungen der Pandemie hätten die Situation vieler Clubs verschärft. Tresor.West betont, dass 81 Prozent aller Musikspielstätten in Deutschland Anfang 2025 grundsätzliche finanzielle Probleme meldeten. „Auch wir sind gezwungen, neue Wege zu gehen“, heißt es in der Stellungnahme des Dortmunder Veranstaltungsorts. 

Mit dem Honorardeckel will der Club einen Weg finden, Clubkultur nachhaltig zu sichern, statt sie dem Druck eines auf Sichtbarkeit und Hypes ausgerichteten DJ-Markts zu überlassen. Im vollständigen Statement betont Tresor.West zudem, dass DJ-Gagen zuletzt stark gestiegen seien, während Besucherzahlen rückläufig seien. Die Verantwortlichen wollen nicht weiter dazu beitragen, dass die Vergütungs-Schwere zwischen großen und kleinen DJs sich weiter massiv vergrößert. Sie rufen sowohl etablierte Acts als auch lokale Künstler:innen dazu auf, sich zu solidarisieren und faire Vergütungen zu akzeptieren, um die Szene gemeinsam zu tragen.  

Bereits 2025 hatte Tresor.West mit den sogenannten Community Nights einen ähnlichen Ansatz verfolgt: samstags gab es freien Eintritt und Line-ups fast ausschließlich mit lokalen DJs. Eine bewusste Abkehr vom klassischen Headliner-System und ein Fokus auf die Szene vor Ort.  

Der Club sieht die Maßnahme als Beitrag zur langfristigen Sicherung von Subkultur. „Denn die allermeisten DJs hatten und haben ihre Anfänge genau hier: in kleinen Underground-Clubs“, heißt es abschließend. Ziel sei es, gemeinsam eine nachhaltige Zukunftsperspektive für diese Räume zu schaffen. Die Entscheidung stößt auf breite Zustimmung in der Szene, insbesondere von Nachwuchskünstler:innen: Viele sehen darin eine Chance, den Fokus wieder stärker auf Musik, Gemeinschaft und Underground-Kultur zu legen, statt auf digitale Reichweite oder kurzfristige Trends. Ob dieses Modell Schule machen wird, ist offen.