FEMPOWERMENT – FAKTENCHECK
Am 8. März ist der internationale Frauen*tag oder Feministischer Kampftag. Hier findet ihr spannende Facts, mit denen ihr bei euren Kolleg:innen und Freund:innen punkten könnt!
Am 8. März ist der internationale Frauen*tag oder Feministischer Kampftag. Hier findet ihr spannende Facts, mit denen ihr bei euren Kolleg:innen und Freund:innen punkten könnt!
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben vor allem Frauen, die elektronische Musik entscheidend vorangebracht. Hier ein paar gut dokumentierte Geschichten von Pionierinnen:
Daphne Oram war Mitgründerin des BBC Radiophonic Workshop – einer Keimzelle elektronischer Klangexperimente. Als die BBC zunächst kein eigenes Studio für elektronische Musik einrichten wollte, experimentierte sie auf eigene Faust weiter und entwickelte dabei neue Produktionsmethoden. Nebenbei erfand sie ein eigenes elektronisches Musikinstrument, als erste Frau überhaupt. Ihre Arbeit beeinflusste die Klangästhetik von Radio und Fernsehen für Jahre.
Delia Derbyshire arbeitete ebenfalls im BBC Radiophonic Workshop. Dort schuf sie etwas, das Millionen Menschen kennen, ohne ihren Namen zu wissen: die ikonische Titelmelodie von Doctor Who (1963). Was heute nach einem simplen Synthie-Theme klingt, war damals eine technische Meisterleistung. Derbyshire baute den Sound vollständig aus einzelnen Tonbandschleifen und manipulierten Klängen zusammen – zu einer Zeit, als Synthesizer, wie wir sie kennen, noch gar nicht existierten. Ihre Methoden nahmen Sampling und Sounddesign um Jahrzehnte vorweg.
Laurie Spiegel war eine der Ersten, die den Computer nicht als Hilfsmittel, sondern als eigenständiges Instrument verstanden. Mit ihrer Software Music Mouse ermöglichte sie algorithmische Komposition in Echtzeit. Ein Konzept, das viele spätere Entwicklungen in der computergestützten Musik vorwegnahm.
Und dann ist da Kate Bus, die vielen ein Begriff sein dürfte, spätestens seit Running Up That Hill 2022 durch Stranger Things ein zweites Leben bekam. Was weniger bekannt ist: Bush war eine der ersten Musikerinnen weltweit, die den Fairlight CMI einsetzte, einen der ersten digitalen Sampler überhaupt. Schon 1980 nutzte sie das Instrument, das damals so viel kostete wie ein Einfamilienhaus. Während die meisten Produzenten den Fairlight noch als Spielerei abtaten, machte Bush ihn zum festen Bestandteil ihres Sounds und bewies, dass digitale Klangerzeugung emotional und erzählerisch sein kann.
Diese Frauen und noch viele weitere wie Éliane Radigue, Lara Rockmore, Bebe Barron, Maryanne Amacher, Pauline Oliveros, Wendy Carlos, und Suzanne Ciani haben den Grundstein für den Klang gelegt, den wir heute in Clubs, im Radio und auf Festivals hören.
2022 betrug der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt 18%. Das bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt die ersten 66 Tage des Jahres umsonst arbeiten. Der sogenannte Equal Pay Day viel 2024 also auf den 66 Tag im Jahr – der 06. März.
In der Musikindustrie ist der Gender Pay Gap noch höher. In den letzten 15 Jahren ist er von 18% im Jahr 2005 auf 24% im Jahr 2022 angestiegen. Expert:innen führen verschiedenen Gründen für diesen Unterschied im Gehalt an. Der Pay Gap in der Musikindustrie kann durch Familiengründung, die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit und durch männlich geprägte Strukturen, die Frauen den Zugang zu Aufträgen und Führungspositionen erschweren, verursacht werden.
Aus diesem Grund fordern Expert:innen die Einführung von Mindestlöhnen für verschiedene Tätigkeiten in der Musikbranche, um die Situation, insbesondere für Frauen, zu verbessern.
Das feministische Netzwerk female:pressure hat von 2012 bis 2024 verschiedene elektronische Musikfestivals analysiert. Dafür wurden Daten von mehr als 1.008 Festivals in 50 Ländern Europas und Nordamerikas ausgewertet. Die Ergebnisse der letzten Studie aus dem Jahr 2024 sind deutlich: Lediglich 29,8 Prozent der Acts waren weiblich, während 58,4 Prozent männlich waren. Die verbleibenden 9,4 Prozent setzten sich aus gemischten Acts, nicht-binären Künstler:innen sowie solchen zusammen, die sich nicht eindeutig identifizieren ließen.
Männliche Acts dominieren weiterhin deutlich die Line-ups der elektronischen Musikfestivals. Trotzdem zeigt sich ein konstanter Anstieg weiblicher Künstlerinnen: 2012 lag ihr Anteil noch bei unter zehn Prozent. Und wenn man sich die Line-ups großer deutscher Festivals anschaut, wird man fast von männlichen Acts erschlagen. Wir haben einmal durchgezählt (nicht repräsentativ). Hier ein paar Beispiele:
Ein elektronisches Musikfestival mit 233 Acts im Line-up ist mit 210 Männern, 23 Frauen und null nicht-binären DJs besetzt – das entspricht einem Frauenanteil von 9,9 Prozent.
Ein anderes Festival lädt 2025 insgesamt 87 Acts ein. Davon sind 71 männlich, 16 weiblich und wieder null nicht-binär – der Frauenanteil liegt hier immerhin bei 18,4 Prozent.
Ein Festival ist uns besonders ins Auge gestochen: Hier finden sich nur drei Frauen im Line-up. Insgesamt sind 58 Acts gebucht, die restlichen 55 DJs sind männlich. Der Frauenanteil liegt damit bei 5,2 Prozent.
Ein weiteres Beispiel für die Ungleichheit zeigt sich auf Ibiza. Dort wird davon gesprochen, dass im Jahr 2026 „Geschichte geschrieben“ wird. Grund ist das DJ-Duo Mëstiza: Als erste Künstlerinnen überhaupt übernehmen sie eine komplette Sommer-Residency im Main Room des Hï Ibiza.
Kurze Antwort: Weil DJ bereits geschlechtsneutral ist. Die Abkürzung steht für „Disc Jockey“ und bezieht sich auf die Tätigkeit, nicht auf die Person dahinter. Eine extra weibliche Form ist also sprachlich gar nicht nötig und grammatikalisch auch nicht ableitbar.
Wortwahl ist hier wichtig, weil der Begriff "DJane", eine klare Abgrenzung zwischen weiblichen und männlichen DJs schafft, was zur Verstärkung und Reproduktion von Klischees führen kann. So als wäre „DJ“ der Standard und „DJane“ ein eigenes Subgenre, eine Abweichung vom Standard. Das kann vor allem Frauen ungewollt in eine Schublade stecken.
Dazu kommt: Der Begriff „DJane“ bildet auch nicht alle Menschen ab, die hinter den Decks stehen. Wer geschlechtsneutrale Begriffe nachträglich mit Geschlecht auflädt, macht die Sprache nicht inklusiver, sondern enger. Also: DJ passt für alle und schließt niemanden aus.
Forschende der Uni Gent haben herausgefunden, dass Frauen auf Festivals im Schnitt sechs Minuten vor der Toilette warten müssen, während Männer nur elf Sekunden warten müssen. Das liegt zum einen daran, dass Frauen mehr Zeit auf der Toilette brauchen. Gründe gibt es dafür mehrere. Frauen haben zum einen eine kleinere Blasenkapazität als Männer und müssen deswegen auch häufiger auf die Toilette. Außerdem sieht es ihre Soziale Rolle vor, dass sie sich um Kleinkinder kümmern, sie zum Beispiel auf der Toilette wickeln. Viele von den Menschen, die die Frauentoilette benutzen menstruieren und auch das wird auf der Toilette erledigt. Dazu kommt, dass Frauen häufig erst den Toilettensitz reinigen müssen und mehr Kleidung ablegen müssen als Männern. Das läppert sich!
Warum werden nicht einfach mehr Toiletteneinheiten auf der Frauentoilette installiert? Tatsächlich haben Frauentoiletten weniger Toiletteneinheiten als Männertoiletten auf gleichen Quadratmetern. Das liegt an der sogenannte Versammlungsstättenverordnung. Diese legt fest, dass Versammlungsstätten, also Theater- oder Konzerthäuser, getrennte Männer- und Frauentoiletten haben müssen, und schreibt eine Mindestanzahl für Toiletten vor. Laut Verordnung muss es zum Beispiel für 1.000 Frauen zwölf Toiletten geben. Für 1.000 Männer sind hingegen acht Toiletten und zwölf Urinale vorgeschrieben. Diese Misskalkulation ist ein perfektes Beispiel für den Gender-Data-Gap.
Die beste Lösung für das Toilettenproblem haben zwei Forscher per Computersimulation herausgefunden: Eine Mixed-Gender-Toilette mit 14 Kabinen und 8 Urinalen. Frauen müssten dann nur noch 2 Minuten und 18 Sekunden warten und Männer etwa 40 Sekunden.