Oliver Koletzki
Daniel Heitmueller
Oliver Koletzki
KW23 Album der Woche

Oliver Koletzki "12"

Er ist Berliner Urgestein, Stil vor Talent Gründer und eine der absoluten Schlüsselfiguren der elektronischen Musikszene: Oliver Koletzki. 12 ist sein zwölftes Studioalbum.

Erschienen auf seinem eigenen Label Stil vor Talent, liefert die Platte genau das, was Koletzkis Sound seit über zwei Jahrzehnten ausmacht – und schlägt gleichzeitig ein komplett neues Kapitel auf. Für Koletzki ist dieses Album ein echter Neustart. Wie er im Interview mit PURE FM verriet, ist der Name 12 das Ergebnis eines sympathischen Rechenfehlers: Eigentlich dachte das Team vor zwei Jahren beim Release von Trip to Sanity, man feiere das zehnte Album. Später wurde nachgezählt – es war bereits Nummer elf. „Deswegen heißt das jetzt 12 hier, damit ich mir merken kann: Du hast schon 12 geschrieben. Das letzte war der Abschluss einer Dekade und das ist jetzt ein Neuanfang“, so der Labelchef. 

Musikalisch bewegt sich die neue Platte am Puls der Zeit und pendelt stilsicher zwischen modernem Indie Dance und technoiden Elementen. Koletzki verarbeitet hier spürbar die Sounds, die er auch in den letzten zwei Jahren in seinen DJ-Sets begleitet hat. Das Album ist durch und durch tanzbar, fokussiert sich voll auf hypnotisierende Club-Tracks und zieht einen klaren roten Faden durch die zwölf Nummern. 

Dass 12 so intensiv ausgefallen ist, liegt auch an Koletzkis ganz persönlichem Zugang zur Musik. Im Studio lässt er den Alltagsstress bewusst hinter sich: „Die Musik war mein Katalysator oder mein Zufluchtsort. Ein bisschen ist das bis heute mein Safe Space geblieben.” Hier gehe es ihm einfach gut, hier kann er Sachen verarbeiten und rauslassen. 

Oliver Koletzki 12
Oliver Koletzki 12

Geschrieben hat er einen Großteil des Albums in einem Studiohaus in Kapstadt, wo er teilweise 14 bis 16 Stunden am Tag an den Reglern saß. Diese intensive Energie und die Inspiration der Reise spürt man in jedem Track – angefangen beim warmen, organischen Opener Petrichor über die exzentrische Groove-Nummer Schnapsidee bis hin zu treibenden Peak-Time-Waffen wie Logic
Spannend wird es auch bei den wenigen, aber dafür perfekt platzierten Vocal-Features. Während Koletzki in der Vergangenheit oft für seine eingängigen Kollaborationen mit Sängerinnen und Sängern bekannt war, hat er sich dieses Mal ganz bewusst auf sich selbst fokussiert. Eine Ausnahme gibt es allerdings, und die sticht heraus: Für die Tracks Trip With Me und den Closer Voice or Noise hat er sich Frida Darko ins Boot geholt. Koletzki, der die menschliche Stimme als „das stärkste Instrument, das es gibt“ bezeichnet, zeigt sich begeistert von der Zusammenarbeit, bei der Frida Darko sogar Neuland betritt und überraschenderweise mit modernem Sprechgesang und Rap-Elementen experimentiert. 

Am Ende liefert Oliver Koletzki mit 12 genau die Musik ab, die er selbst fühlt – ohne Kompromisse und ohne auf flüchtige Trends zu schielen. Das Ergebnis ist ein extrem reifes, clubtaugliches und zutiefst authentisches Album, das beweist, warum er nach all den Jahren immer noch ganz vorne mitspielt.