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Enrique
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Ein Vierteljahrhundert Kampf für die Clubkultur

Die Clubcommission Berlin feiert ihr 25-jähriges Bestehen und startet das Jubiläumsjahr mit einem Open Call zur Ausstellung "Tanzflächen der Wiedervereinigung".

Am 8. Mai 2001 gründeten Berliner Clubbetreiber:innen und Veranstalter:innen die weltweit erste Interessenvertretung dieser Art. Der Anlass für den Zusammenschluss waren Polizeirazzien, steigender Verdrängungsdruck und das Verschwinden kultureller Freiräume. Damals galten Clubs noch als Vergnügungsorte. Politisch wurden sie kaum beachtet und kulturell oft nicht erst genommen. 25 Jahre später hat sich das grundlegend verändert.

"Wir sind notwendig!"

Die Clubcommission ist heute mit mehr als 250 Mitgliedern die größte Interessenvertretung für Clubkultur weltweit und gilt international als Vorbild für Städte, die ihre Nachtkultur stärker fördern und schützen wollen. Zu ihren Mitgliedern zählen heute fast alle großen Berliner Clubs sowie zahlreiche Veranstalter:innen und Kollektive. In dieser Zeit hat die Organisation zentrale kulturpolitische und strukturelle Veränderungen angestoßen. “25 Jahre Clubcommission bedeuten 25 Jahre Beweis, dass Veränderung möglich ist. Clubs sind heute politisch, kulturell und wirtschaftlich anerkannt”, sagt Marcel Weber, 1. Vorsitzender der Clubcommission. “Diesen Weg setzen wir fort. Damit diese Anerkennung auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird: auf der Straße, im Kiez, im konkreten Schutz von Orten.” 

Zu den Veränderungen gehört unter anderem die Anerkennung von Clubs als Kulturstätten durch das Berliner Abgeordnetenhaus im Jahr 2020. Ein Jahr später folgte auf Bundesebene die baurechtliche Gleichstellung von Clubs mit Theatern, Opern und Konzerthäusern. Mit dem Clubkataster entwickelte die Clubcommission 2015 außerdem ein Frühwarnsystem für bedrohte Kulturorte. Über den Schallschutzfonds werden Clubs bei Konflikten mit Nachbarschaften unterstützt. Mit der Awareness Akademie unterstützt sie seit sechs Jahren die Entwicklung diskriminierungssensibler Strukturen, durch Workshops und Netzwerktreffen. Und sie hält eine Branche zusammen, die von queeren Bars über Kollektive bis zu Techno-Clubs reicht. 

Tag der Clubkultur
Andrea Rojas
Tag der Clubkultur

Dass Clubs heute in Berlin als relevanter Wirtschaftsfaktor gelten, ist auch das Ergebnis ihrer Arbeit. Laut Clubcommission tragen Clubtourismus jährlich rund 4,5 Milliarden Euro zur Berliner Wirtschaft bei. In den Jahren nach der Pandemie fällt es der Szene jedoch zunehmend schwer, sich über Wasser zu halten. Clubs schließen aufgrund steigender Mieten, hoher Energiekosten und eines veränderten Ausgehverhaltens. Die Clubcommission hat deshalb in den vergangenen Jahren auch finanzielle Förderstrukturen ausgebaut. Nach eigenen Angaben wurden über Formate wie den "Tag der Clubkultur" und die "Europäische Clubnacht" mehr als zehn Millionen Euro an Clubs, Kollektive und Veranstalter:innen weitergegeben. Vor allem während der Pandemie ließen die Interessenvertreter:innen die Kulturstätten nicht im Stich. Mit der Aktion "United We Stream" erreichten sie Millionen Menschen und generierten Einnahmen für Clubs. Sie setzten sich für Soforthilfen, Open-Air-Konzepte und Impfangebote in Clubs ein. "Clubs leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, den digitale Räume nicht ersetzen können. In einer Zeit der zunehmenden Isolierung ist die Tanzfläche ein Ort der gelebten Solidarität", findet Pressesprecherin und Vorstandsmitglied der Clubcommission, Emiko Gejic.  

Wer erinnert die Tanzflächen der Wiedervereinigung?

Zum 25-jährigen Bestehen richtet sich der Blick auf die Anfänge der Berliner Clubkultur als Teil der soziokulturellen Wiedervereinigung nach dem Mauerfall. Gemeinsam mit Diskobabel e.V. plant die Clubcommission die multimediale Ausstellung "Tanzflächen der Wiedervereinigung", die vom 3. Oktober bis 9. November 2026 in Berlin stattfinden wird. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Rolle von Clubs, Raves und selbstorganisierten Freiräumen in Berlin und Ostdeutschland nach 1989. Im Fokus sollen Perspektiven stehen, die bislang wenig dokumentiert wurden, insbesondere jenseits der bekannten Berliner Techno-Erzählung. Dafür hat die Clubcommission jetzt einen Open Call gestartet. Gesucht werden Erinnerungen, Archivmaterialien, Fotos, Geschichten und künstlerische Arbeiten, die zeigen, wie leerstehende Gebäude, Keller und Brachen zu Orten demokratischer Aushandlung wurden. Einzelpersonen, Zeitzeug:innen, Kollektive, Künstler:innen und Initiativen können noch bis zum 10. Juni 2026 Beiträge einreichen.