Robyn "Sexistential"
Nach sechs Jahren stille kehrt die schwedische Pop-Sängerin mit Sexisential, ihrem persönlichsten Werk, zurück.
Nach sechs Jahren stille kehrt die schwedische Pop-Sängerin mit Sexisential, ihrem persönlichsten Werk, zurück.
Sechs Jahre nach dem atmosphärischen Honey ist die schwedische Pop-Visionärin zurück. Mit Sexistential liefert Robyn ihr neuntes Studioalbum ab und kehrt nach einer Phase tiefgreifender persönlicher Umbrüche zu klar strukturierten, spielerischen Popsongs zurück. Das Album entstand an einem Punkt, den Robyn selbst als „Nullpunkt“ beschreibt: nach dem Ende einer langjährigen Beziehung und der bewussten Entscheidung zur alleinerziehenden Mutterschaft. Dass Robyn die unangefochtene Architektin des intelligenten Pop ist, hat sie spätestens seit 2005 mit ihrem eigenen Label Konichiwa Records bewiesen. Wer an Meilensteine wie Dancing On My Own oder die legendäre Body Talk-Ära denkt, weiß, dass sie das Genre des „Sad Dancing“ praktisch erfunden hat. Mit dem neuen Werk setzt sie diese Reise fort und lädt uns ein, Instinkte und persönliche Freiheit in neun prägnanten Titeln neu zu definieren.
Die Produktion von Sexistential ist ein echtes schwedisches Gipfeltreffen. Aufgrund der Pandemie arbeitete Robyn ausschließlich mit engen Weggefährten zusammen, allen voran Klas Åhlund, der ihren Sound seit über zwei Jahrzehnten maßgeblich prägt. Ein besonderes Highlight ist die erneute Zusammenarbeit mit Max Martin, ihre erste seit 15 Jahren. Klanglich treffen hier lupenreine Pop-Strukturen auf eine hochmoderne, elektronische Produktion, bei der lediglich Joe Mount (Mitglied der Band Metronomy) als externer Kollaborateur mitwirkt. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit Sexualität, Unabhängigkeit und der eigenen Identität, die Robyn radikal ehrlich vertont.
Ich wollte nicht zwischen Wissenschaft und Gefühl entscheiden – Sexistential ist der Moment, in dem Biologie auf pure Lust trifft.
Thematisch beschreibt Robyn ihre neue Haltung als „tantrisch“ – eine Verbindung von Kreativität, Sinnlichkeit und Leben. Besonders deutlich wird das in der Single Dopamine, die Verlangen als chemischen Prozess im Körper thematisiert. Inspiriert wurde dieser Fokus durch ihre eigenen Erfahrungen mit IVF (In-Vitro-Fertilisation), also der künstlichen Befruchtung im Labor. Diese medizinische Grenzerfahrung machte ihr deutlich, wie sehr biologische Abläufe unsere Emotionen steuern. Sie trennt die Konzepte von Liebe und Kinderkriegen, reflektiert im Titeltrack mit viel Selbstironie ihre eigene Sexualität und rechnet in Songs wie Sucker for Love gleichzeitig mit toxischer Männlichkeit ab. Wo sie früher in atmosphärische House-Gefilde abtauchte, geht sie heute direkt dorthin, wo es wehtut und gleichzeitig befreit.
Sexistential ist am Ende ein Album über den Kontrollverlust und das Wiederfinden der eigenen Integrität. Von melancholischen Momenten in Really Real bis hin zum finalen Aufbruch in Into the Sun spannt Robyn einen Bogen, der zeigt, dass künstlerische Verletzlichkeit gerade im Kontext des Älterwerdens eine enorme Stärke ist. Es ist die konsequente Weiterentwicklung einer Künstlerin, die keine Angst davor hat, ihre eigenen Regeln immer wieder zu brechen und uns damit direkt auf den Dancefloor zurückzuholen.