Neue Hoffnung fürs RAW-Gelände? Verhandlungen gehen weiter
Der Streit um das RAW-Gelände in Berlin beschäftigt die Clubszene seit Jahren. Nach gescheiterten Verhandlungen gibt es nun wieder Hoffnung auf eine Einigung.
Der Streit um das RAW-Gelände in Berlin beschäftigt die Clubszene seit Jahren. Nach gescheiterten Verhandlungen gibt es nun wieder Hoffnung auf eine Einigung.
Kaum ein Ort steht so sinnbildlich für die Berliner Subkultur wie das RAW-Gelände in Friedrichshain. Wo früher Lokomotiven gewartet wurden, pulsiert heute ein Mikrokosmos aus Clubs, Ateliers, Skatehalle, Bars, Kletterhalle und soziokulturellen Projekten. Zwischen Graffiti, Backsteinfassaden und Open-Air-Flächen ist in den vergangenen Jahrzehnten einer der letzten Freiräume der Hauptstadt entstanden. Genau dieser Ort steht seit Jahren immer wieder unter Druck. Auch zuletzt musste erneut um seinen Erhalt gebangt werden. Auslöser des aktuellen Konflikts sind gescheiterte Verhandlungen über die Zukunft des rund 52.000 Quadratmeter großen RAW-Geländes. Die Kurth-Gruppe, die einen Großteil des Areals 2015 gekauft hat, plant dort seit Jahren ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Büros und Gewerbeflächen. Kulturschaffende kämpfen dagegen für den Erhalt eines Ortes, der vor allem auch eine große Bedeutung für die Berliner Clubkultur hat.
Ein Bebauungsplan sollte den ansässigen Clubs und Kulturbetrieben ein Bleiberecht von 30 Jahren zu bezahlbaren Mieten sichern. Nachdem die Verhandlungen zwischen Eigentümer, Senat und Bezirk Mitte Juni zunächst für gescheitert erklärt wurden, erhielten mehrere Einrichtungen Räumungsaufforderungen. Besonders zugespitzt hat sich die Situation rund um das Cassiopeia. Der Club, der seit 2005 Teil des RAW-Geländes ist und sich mit Konzerten, Clubnächten und einem genreübergreifenden Programm als feste Größe der Berliner Subkultur etabliert hat, sollte seinen Standort verlieren. Dabei trägt sein wirtschaftlicher Betrieb dazu bei, zahlreiche weitere Projekte auf dem Gelände mitzufinanzieren. Nach Angaben der Betreibenden hängen mehr als 80 kulturelle und soziale Projekte am sogenannten „soziokulturellen L“. Eine Schließung des Cassiopeia hätte damit weitreichende Folgen für das gesamte Areal.
Entsprechend groß fiel der Protest aus. Musiker:innen, Clubbetreibende, Kulturinitiativen, Anwohner:innen, zahlreiche Besuchende und politische Vertreter:innen demonstrierten unter dem Motto „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“ vor dem Büro der Kurth-Gruppe am Berliner Kurfürstendamm. Begleitet wurde die Aktion von einer Petition und der Forderung, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Das Areal gilt vielen als Symbol für eine Stadt, deren kulturelle Freiräume zunehmend dem wirtschaftlichen Verwertungsdruck weichen müssen. Gerade in einer Zeit, in der Berlin bereits zahlreiche Clubs verloren hat, wird der Streit um das RAW-Gelände zu einer Grundsatzfrage: Wie viel Platz bleibt subkulturellen Orten in einer wachsenden Metropole?
Nach den öffentlichen Protesten gibt es inzwischen wieder Bewegung. Senat, Bezirk und Eigentümer haben die Gespräche erneut aufgenommen und wollen nach einer gemeinsamen Lösung suchen. Eine Einigung gibt es bislang jedoch nicht. Ob das Cassiopeia und die vielen weiteren Kulturorte auf dem Gelände langfristig bleiben können, ist weiterhin offen.