Dan Snaith
Fabrice Bourgelle
Dan Snaith
KW7 Album der Woche

Daphni "Butterfly"

Nach einer dreijährigen Pause knüpft Daphnis viertes Studioalbum Butterfly dort an, wo sein vorheriges Album Cherry aufgehört hat. Mit kraftvollen Tracks, die Dancefloors mühelos füllen.

Hinter Daphni steht Dan Snaith, ein regelrechtes Chamäleon, der öfter seinen Namen ändert. Neben Daphni ist er vor allem bekannt als Calibou. Der Kanadier zeigt sich auf all seinen Alben wandlungsfähig von Elektro über Psychedelic bis Dance. Als er Anfang des Jahrtausends Mathe studierte, in einer Kleinstadt bei Toronto, hieß er noch Manitoba. Schnell benannte sich Snaith nach dem kanadischen Rindvieh um. Dann kam seine Zweitexistens als DJ dazu: Daphni. Mit Butterfly veröffentlicht Daphni sein viertes Studioalbum und öffnet die Grenzen zu seinen anderen Projekten. 

Nach einer dreijährigen Pause, unterbrochen lediglich von seinem ersten gemeinsamen Daphni-Track Unidos mit Sofia Kourtesis, veröffentlichte Dan Snaith zu Beginn des letzten Sommers Sad Piano House. Der Track stellt eine Art Weiterführung innerhalb des Daphni-Katalogs dar, dessen Wurzeln bis zu Cloudy (auf vorherigem Album Cherry) und dessen anschließendem Kelbin Remix zurückreichen. Etwas an der DNA dieses Stücks entfaltete eine besondere Wirkung, wenn es auf dem Dancefloor gespielt wurde. Sad Piano House setzt ebenfalls auf unwiderstehlich geschwungene Pianolinien und sorgt seither für eine ähnliche, beinahe rauschhafte Präsenz auf Tanzflächen.  

Daphni - Butterfly
Daphni - Butterfly

Zwischen Cherry und Butterfly liegt zwar eine größere Lücke an Daphni Veröffentlichungen, doch in dieser Zeit erschien mit Honey auch das jüngste Caribou-Album. Ein Werk, auf dem die direkteren, cluborientierten Eigenschaften von Daphni deutlicher denn je durchschimmerten. Diese zunehmende Durchlässigkeit zwischen beiden Welten führte zur faszinierenden Lead-Single von ButterflyWaiting So Long (feat. Caribou). Eine ungewöhnliche Kollaboration, insofern beide Acts ein und dieselbe Person sind: Dan Snaith. „Die Leute fragen verständlicherweise immer nach dem Unterschied zwischen Caribou- und Daphni-Musik, wie ich entscheide, was was ist.” Für ihn gab es Phasen, in denen sich die Musik der beiden Projekte stärker voneinander entfernt hat, doch gerade ist er in einer Phasen in der die beiden näher beieinander liegen. Waiting So Long ist ein Track, der sich für ihn erstmals wie ein Stück anfühlte, das beiden Aliasen gleichzeitig gehört. Zum ersten Mal singt Snaith auf einem Daphni-Track und genau daraus entstand diese besondere Konstellation. “Ich habe noch nie auf einem Daphni-Track gesungen. Als ich mit Waiting So Long begann, war es zunächst rein Instrumental”, erzählt Snaith. Als er weiter an dem Song arbeitete kamen Text und Melodie nach und nach dazu. “Ich habe sie einfach aufgenommen, ohne groß darüber nachzudenken. Als ich den Song ein paar Tage später erneut hörte, hatte ich fast das Gefühl, als hätte Daphni einen Caribou-Vocal gesampelt.” Daphni war für Snaith schon immer das Vehikel, um direkt auf die Tanzflächen zu zielen, auf denen er selbst den Großteil seiner Zeit verbringt. Diese Tanzflächen sind mit wachsendem Namen stetig größer geworden und die Musik ist mitgewachsen.  

Doch auf Butterfly ist noch mehr zu entdecken. Wie Clap Your Hands, das die Energie von Sad Piano House aufgreift und umdreht. Hang wiederum entfesselt ungehemmter Freude. Lucky windet sich verführerisch und schwer greifbar, Invention huscht durch verschlungene, einladende Korridore, Talk To Me grummelt und brütet im Halbdunkel, während Miles Smiles scheinbar endlos weiterrollen könnte, so souverän ruht es in seinem Groove.  

Manche dieser Tracks scheinen dem Dancefloor regelrecht zu widersprechen. Und doch könnten sie im richtigen Moment die größten Vergnügungen der ganzen Nacht sein. „Daphni-Musik ist immer noch Musik, die ich in erster Linie dafür mache, sie in meinen DJ-Sets zu spielen“, sagt Snaith über die Vielfalt des Albums. „Den Großteil der Tracks spiele ich regelmäßig. Aber es gibt auch einige langsamere, seltsamere Stücke, die ich normalerweise nicht spiele … oder vielleicht doch, nur halt im richtigen Club.“ Ein solcher Club steht sinnbildlich für das Ethos von Butterfly: „Als ich das Album fertigstellte, spielte ich ein langes Set in einem Club namens Open Ground in Wuppertal. In gewisser Weise ist er das platonische Ideal eines Clubs, in dem ich gerne spiele. Der Club wird von großartigen Menschen betrieben und besitzt dieses Gemeinschaftsgefühl, das Dance Music in ihrer besten Form erzeugen kann. Es ist ein absolutes Vergnügen, dort für ein Publikum aus aller Welt zu spielen. Man hat das Gefühl, alles spielen zu können.” Bei Daphni geht es dem DJ darum, eine weit gefasste Idee von Dance Music zu denken: “Wirklich funktionale Tracks neben seltsameren Stücken zu platzieren. Auf einem Album, wie im DJ-Set.“  

Dieses Gefühl durchzieht Butterfly ebenso wie jede DJ-Performance von Snaith. Seit der Entstehung des Daphni-Alias, ist die Lust am Ausprobieren, am Verschieben von Grenzen zentraler Bestandteil seines Schaffens. Butterfly springt in alle Richtungen und bleibt ihm dennoch treu. Eine Verdichtung all dessen, was Snaith ausmacht: die Freude an der Erkundung.