Clapton "Wanderer"
Vier Alben später muss Claptone niemandem mehr etwas beweisen. Mit Wanderer zeigt der maskierte Produzent so deutlich wie lange nicht, wohin sich sein Sound entwickelt hat.
Vier Alben später muss Claptone niemandem mehr etwas beweisen. Mit Wanderer zeigt der maskierte Produzent so deutlich wie lange nicht, wohin sich sein Sound entwickelt hat.
Seit Jahren gehört die goldene Maske von Claptone zu den bekanntesten Markenzeichen im House-Kosmos. Zwischen weltweiten Tourneen, seiner Residency im Club Chinois auf Ibiza und seinem eigenen Label Golden Recordings veröffentlicht der deutsche Produzent nun sein fünftes Studioalbum: Wanderer.
Die neue Platte umfasst elf Tracks und bewegt sich zwischen klassischem House, poppigeren Vocals und festivaltauglichen Produktionen. Auffällig ist vor allem die Zahl der Kollaborationen: Auf dem Album arbeitet Claptone unter anderem mit Henry Camamile von Sea Girls, Raphaella, Crystal Fighters, Hannah Boleyn, Poppy Baskcomb, Nathan Nicholson, T. Western und Moli zusammen.
Schon der Opener Way Too Into You mit Henry Camamile zeigt die Richtung des Albums: eingängige Vocals, sommerliche Melodien und ein Sound, der klar auf große Festivalbühnen ausgelegt ist. Danach wird es mit Phantasy gemeinsam mit Raphaella deutlich ruhiger. Gitarren rücken in den Vordergrund, der Track setzt stärker auf Groove als auf große Drops.
Mit Turn Up The Love gemeinsam mit Crystal Fighters folgt einer der offensichtlichsten Popsongs des Albums. Radiotauglich produziert, eingängig und mit einem Hook ausgestattet, der sofort hängen bleibt. Auch hier zeigt sich Claptone als Produzent, der Vocals bewusst in den Mittelpunkt stellt, ohne die Produktion zu überladen. Disappear mit T. Western verändert die Atmosphäre erneut. Pulsierende Synths tragen den Track, während der Sound insgesamt glatter und zurückhaltender wirkt.
Im Mittelteil wird Wanderer emotionaler. Sandcastles mit Nathan Nicholson gehört zu den ruhigeren Tracks des Albums und arbeitet mit deutlich reduzierteren Elementen. Direkt danach folgt mit Black & Gold gemeinsam mit Hannah Boleyn wieder ein Clubtrack mit druckvoller Bassline.
Mit Wanderlust und Treading Water taucht Poppy Baskcomb gleich zweimal auf der Platte auf. Während Wanderlust leichter und melodischer wirkt, setzt Treading Water stärker auf emotionale Vocals. Put Your Love On Me mit Henry Camamile gehört dagegen wieder klar in den Festival-Kontext. All Night Long mit Moli geht direkter nach vorne und orientiert sich stärker am Dancefloor.
Den Abschluss bildet Any Given Moment. Hier zieht sich Claptone wieder etwas zurück und beendet das Album mit einem deepen, grooveorientierten Track, der ohne große Effekte auskommt.
Seit seinem letzten Album Closer im Jahr 2021 war Claptone konstant unterwegs. Dazu kamen Touren durch South America, die Gründung seines Labels Golden Recordings im Jahr 2023 und fünf Jahre in Folge als Nummer-eins-House-DJ bei den DJ Awards. Aktuell liegt er außerdem auf Platz 32 der DJ Mag Top 100 DJs.
Mit Wanderer bleibt Claptone seinem Sound treu, öffnet ihn aber stärker in Richtung Pop, Indie und Festival-House. Weniger düsterer Clubtrack, mehr breit aufgestelltes Album.