Tunlicher x Hero Baldwin
Tunlicher x Hero Baldwin
KW13 Album der Woche

Tinlicker "Dreams of the Machine"

Wieviel Raum nimmt Technologie und künstliche Intelligenz in unserem Leben ein und wie verändert sich das Miteinander dadurch? Tinlicker stellt sich der Frage mit ihrem neuen Album.

Mit ihrem vierten Studioalbum Dreams of the Machine schlägt die Formation ein brandneues Kapitel auf, denn aus dem gefeierten niederländischen Produzenten-Duo ist mittlerweile ganz offiziell ein niederländisch-britisches Trio geworden. 

Micha Heyboer und Jordi van Achthoven haben die Sängerin und Songwriterin Hero Baldwin, mit der sie bereits seit Jahren eng verbunden sind, als festes drittes Mitglied in die Band aufgenommen. Dieser Schritt war die logische Konsequenz aus ihrer musikalischen Weiterentwicklung der letzten Jahre: Um den Wandel von reinen Studio-Producern hin zu einer echten, organischen Live-Band zu vollenden, brauchte es diese feste stimmliche Konstante: “Hero hat das gewisse Etwas. Wir haben das nicht. Es ist schön, dass alle Augen auf sie gerichtet sind, wenn sie die Bühne betritt. Es ist ein schönes Gefühl, sich ein wenig im Hintergrund zu halten.” 

Das Besondere an diesem neuen Werk ist daher der bewusste Verzicht auf externe Gast-Features oder Kollaborationen, wie man sie noch vom Vorgänger Cold Enough For Snow kannte. Stattdessen konzentriert sich das Trio voll und ganz auf die eigene neue Dynamik, wobei Heros markante Stimme den roten Faden durch die 14 Tracks bildet. 

Tinlicker x Hero Baldwin
Tinlicker x Hero Baldwin

Inhaltlich setzen sich Tinlicker intensiv mit dem hochaktuellen Thema Künstliche Intelligenz auseinander und stellen die philosophische Frage, wo in einer hochdigitalisierten Welt die Grenze zwischen maschineller Präzision und echter menschlicher Emotion verläuft. 

Musikalisch bleibt die Band ihrem Ruf als Pioniere des melodischen, treibenden House treu, verwebt die elektronische Basis aber meisterhaft mit orchestralen Strängen und gefühlvollen Indie-Gitarren. Ein absolutes Highlight ist dabei die Vorab-Single Release: Mit ihren hypnotischen Arpeggios, dem wuchtigen, fast schon roboterhaften Bass und den temporeichen Breakbeats zielt sie direkt auf den Dancefloor ab. Gleichzeitig trägt der Track eine starke Message in sich und ruft uns mit Nachdruck dazu auf, das Smartphone endlich mal zur Seite zu legen und den Moment mit unseren Mitmenschen im echten Leben zu genießen, anstatt uns in ständiger Erreichbarkeit zu verlieren. 

Wer diese geballte Mischung aus elektronischer Perfektion und purer Live-Energie hautnah erleben möchte, sollte sich die ausgedehnte Europa-Tour der Band nicht entgehen lassen, die unter anderem mit einem fulminanten Auftakt in der Berliner Columbiahalle startet. Dreams of the Machine ist ein vielschichtiger, hochmoderner Soundtrack für unsere Gegenwart, der beweist, dass wahre musikalische Tiefe gerade dort entsteht, wo das Digitale auf, das zutiefst Menschliche trifft.