Rave the Planet 2023
Chris Bellevue
Rave the Planet 2023

Berliner Techno ist UNESCO-Kulturerbe

Am 14. März gibt die UNESCO bekannt, dass sechs deutsche Traditionen in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurden. Darunter auch die Technokultur in Berlin.

“Wir sind hier alle völlig aus dem Häuschen. Wir tanzen hier und liegen uns lachend und weinend in den Armen.”

“Wir sind hier alle völlig aus dem Häuschen. Wir tanzen hier und liegen uns lachend und weinend in den Armen”, schwärmt Ellen Dosch-Roeingh von der gemeinnützigen Organisation Rave the Planet GmbH. Schon im Jahr 2011 schlug der Musikwissenschaftler und Verbündeter Hans Couto vor, Techno als Immaterielles Kulturerbe anerkennen zu lassen. Die Vorbereitungen für den UNESCO-Antrag begannen 2018, und nach vielen Jahren intensiver Arbeit wurde der Antrag nun angenommen. Mittwochmittag erhielt Ellen die offizielle Bestätigung: "Wir gratulieren Ihnen im Namen aller Mitglieder des Fachkomitees Immaterielles Kulturerbe bei der deutschen UNESCO-Kommission ganz herzlich: Technokultur in Berlin ist jetzt Immaterielles Kulturerbe", liest sie vor. Neben Ellen gehören auch Love-Parade-Mitinitiator Matthias Roeingh alias Dr. Motte und weitere Berliner Kulturschaffende zum Team. "Wir machen gleich noch eine Sektflasche auf und heute Abend wird gefeiert", erzählt Ellen unter Beifall der Rave the Planet Crew.

Die Technokultur in Berlin wird von der deutschen UNESCO-Kommission als “ein gelebter Gegenentwurf zu klassischen Praktiken des Musikhörens” beschrieben. Sie wurde zum Soundtrack der Aufbruchsstimmung nach der Wende und machte Berlin zur Hauptstadt des Techno. Obwohl die Wurzeln dieser Bewegung in Städten wie Detroit, Chicago und Belgien liegen, war Berlin von entscheidender Bedeutung für ihre Entwicklung. Das sieht auch UNESCO:  “Die entstehenden Freiräume verhalfen zur Etablierung der Techno- und Clubszene, die in Berlin so präsent ist”, heißt es in der Pressemitteilung. “Sound und Soundproduktionen sind eng an die Stadt geknüpft und entwickelten ihren speziellen Charakter im Kontext der deutschen Wiedervereinigung.”

 “Techno ist längst aus seiner Nische herausgetreten und zu einer eigenständigen Kulturform geworden.”

Kulturministerin Claudia Roth betont, dass die Berliner Technokultur “für Werte wie Vielfalt, Respekt und Weltoffenheit" steht. Diese Anerkennung soll auch dazu beitragen, einen "erweiterten Kulturbegriff” zu fördern und “sich gegen die absurde Trennung von E- und U-Kultur” zu wenden. Mit E-Kultur ist die sogenannte “hohe Kunst” gemeint, darunter fällt die Oper, das Theater und Museen. U-Kultur ist die Unterhaltungskultur. Berliner Techno als Immaterielles Kulturerbe zu erklären, ist ein bedeutender Schritt für die Gleichstellung von elektronischer Musik mit anderen etablierten Kulturformen und die Vielfalt des kulturellen Lebens in Deutschland.

Mit dem UNESCO-Titel erhofft sich die Technoszene nicht nur gesellschaftliche Anerkennung, sondern auch rechtliche Vorteile, wie erleichterte Zugänge zu staatlichen Subventionen und weniger Hürden bei Cluberöffnungen. “Techno ist längst aus seiner Nische herausgetreten und zu einer eigenständigen Kulturform geworden”, heißt es auf der Rave the Planet Website. Die Anerkennung bringt aber auch neue Aufgaben. Ellen und die Rave the Planet Organization ist sich ihrer Verantwortung bewusst und wird ihre Aktivitäten fortsetzen, "um sicherzustellen, dass diese bedeutende kulturelle Bewegung für kommende Generationen erhalten bleibt."

Berliner Techno wird Immaterielles UNESCO-Kulturerbe

Das ganze Gespräch mit Ellen von Rave the Planet könnt ihr hier nachhören:

Was ist ein Immaterielles Kulturerbe? 

Das Immaterielle Kulturerbe umfasst gelebte Traditionen und Ausdrucksformen, wie Musik, Gemeinschaftsversammlungen, Überzeugungen, kulturelle Praktiken und handwerkliche Fertigkeiten, die erhalten, gepflegt und gefördert werden sollen. Deutschland ist dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes 2013 beigetreten. Das bundesweite Verzeichnis umfasst nun 150 Einträge, darunter auch die Technokultur in Berlin.

Axel Karakasis mit Centrepoint

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Axel Karakasis mit Centrepoint