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Overmono
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KW34 Album der Woche

Overmono "Pure Devotion"

Für Pure Devotion ließen sich Overmono von ihren Instinkten leiten – und von den Möglichkeiten, die ihr Studio bereithielt.

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Auf Pure Devotion klingt vieles vertraut und doch anders: Overmono verbinden auf ihrem zweiten Studioalbum unkonventionelle Aufnahmemethoden mit einer spürbaren Liebe zum analogen Handwerk. Das bei XL Recordings erschienene Album umfasst elf Tracks und lässt dabei immer wieder Raum für das Unerwartete.  

Hinter Overmono stehen die Brüder Tom und Ed Russell aus Wales – zwei Künstler, die schon vor ihrer gemeinsamen Karriere tief in der elektronischen Musik verwurzelt waren. Während Tom unter dem Namen Truss Techno produzierte, machte sich Ed als Tessela mit Drum & Bass einen Namen. 2015 trafen ihre unterschiedlichen musikalischen Prägungen aufeinander und wurden zum gemeinsamen Projekt Overmono. Seitdem haben sich die Brüder zu einem der prägenden Acts der britischen Underground-Szene sowie aktuellen Dance-Ära entwickelt. Nach ihrem gefeierten Debütalbum Good Lies (2023) folgten ausverkaufte Headliner-Shows, unter anderem im Alexandra Palace und Festivalauftritte wie Glastonbury. Kollaborationen mit Fred again.., Joy Orbison, High Contrast, Lil Yachty oder Kwengface erweiterten ihren musikalischen Kosmos und ließen Overmono international aufsteigen.  

Im Vergleich zum Debütalbum Good Lies, das stärker von groovigen Beats aus UK-Garage, Techno, Trance und Drum & Bass geprägt war, erweitert das Duo seinen Sound diesmal um Downtempo-, Trip-Hop- und Post-Punk-Einflüsse. Vintage-Synthesizer aus den 70ern und 80ern, gefilterte Breakbeats, gepitchte Vocals und bewusst herbeigeführte Maschinenfehler verleihen dem Album eine organische Rauheit, in der analoge Wärme und experimentelles Sounddesign aufeinandertreffen. 

Der Opener Lockup startet mit rastloser Energie: schnelle Rhythmuswechsel, gepitchte Gesangsfragmente und das Zusammenspiel rauer Synthesizer. Für den Song tauchten die Brüder tief in die Post-Punk-Ära ein und sampelten Fast Reliefs What a Waste.  

Knight In Shining Prada erinnert stellenweise an den Sound von Daft Punk und enthält eine sehr persönliche Sprachnachricht des britischen Dichters John Joseph Holt. Inspiriert von der Verbindung zwischen Tom und Ed erinnert Holt darin auch an seinen verstorbenen Bruder: “As I stand here today / I am a spitting example of you.” Gerade diese persönliche Dimension macht den Track zu einem der eindringlichsten Momente des Albums.  

In der Mitte des Albums zeigen Mialon und Barum eine ruhigere, verspielte Seite von Overmono. Trotz ihrer zurückhaltenderen Klangsprache bleiben beide Stücke überraschend vielschichtig. Barum verbindet die Gesangsläufe von Jaz Karis mit einem sanft pulsierenden Bass, während Mialon mit prägnantem Backbeat und subtilen Tropicalia-Einflüssen in eine fast euphorische Stimmung übergeht. 

Mit Gem Lingo führen Overmono unterschiedliche Facetten ihres Sounds wieder zusammen. Treibende Footwork-Rhythmen treffen auf Ruthvens warme Vocals, die sich klanglich zwischen Nähe und Distanz bewegen. Der Uptempo-Beat und funkige Groove verleihen dem Stück eine energiegeladene, tanzbare Dynamik.  

Adre ist der Beweis dafür, dass ein technischer Defekt zum musikalischen Glücksfall werden kann – ein günstiges, übertaktetes Effektgerät, das die Brüder Jahre zuvor in Bromley gekauft hatten, lieferte mit Reverse-Reverbs und zerfallenden Akkorden einen der markantesten Klänge des Albums. 

Den krönenden Abschluss von Pure Devotion bildet After the Rain. Hier spielen Overmono noch einmal ihre Stärke für klassischen UK-Garage aus. Die Vocal-Passagen haben etwas Befreiendes an sich und machen den Track geradezu prädestiniert für große Festivalbühnen.  

Was Pure Devotion im Kern ausmacht, verrät bereits der Titel: Es geht darum, sich der Musik hinzugeben. Für Overmono sind technische Grenzen dabei kein Hindernis, sondern fester Bestandteil ihres kreativen Ansatzes. Ein Großteil des Albums entstand während abgeschiedener Studiosessions in Island und im Norden Spaniens. Das Duo schuf dafür bewusst einen klaren Rahmen, um innerhalb dessen Kontrolle abzugeben und Zufälle zuzulassen. „Bevor wir verreisen, bereiten wir uns sehr intensiv vor, damit wir vor Ort in einen Zustand kommen, in dem wir nicht mehr nachdenken müssen“, erklärt Ed Russell. 

Innerhalb dieses Rahmens wird das Studio selbst zum Experimentierfeld: Tonband läuft über Magnete, Synthesizer über alte Bahnhofslautsprecher. Der ein oder andere Lautsprecher wird in die Luft gejagt und eine Cymbal landet im Ofen. Technische Geräte werden zweckentfremdet, ein Track durchläuft ganze 83 Versionen – und ungeplante, glückliche Zufälle bringen immer wieder neue Impulse hervor. So wird Neugier zur treibenden Kraft von Pure Devotion und Experimentierfreude zum Motor eines Albums, das gerade dadurch seinen einzigartigen Charakter gewinnt.