Foto: Andrey Bashtovoy
Larysa Oleksandriwna, eine 75-jährige Bewohnerin von Charkiw, die neben der zerstörten Fassade ihres Hauses im Wohnviertel Pavlove Pole (Paulsfeld) steht. 
Foto: Andrey Bashtovoy
Life.Style: Kunst

Der Krieg und die Kunst: Das besetzte Haus

Gezeigt werden Werke zeitgenössischer ukrainischer Künstler:innen, welche die humanitäre Katastrophe und Folgen des Kriegs dokumentieren.

Larysa Oleksandriwna, eine 75-jährige Bewohnerin von Charkiw, steht neben der zerstörten Fassade ihres Hauses im Wohnviertel Pavlove Pole (Paulsfeld). Das Foto, welches als Titelbild zum Beitrag dient, wurde vom Kyjiwer Journalisten Andrii Bashtovyi geschossen und ist Teil der Ausstellung "Das besetzte Haus" (The Captured House).

Die Ausstellung "Das besetzte Haus" möchte das europäische Publikum mit den Werken von Alevtina Kakhidze, Vlada Ralko, Igor Gusev, Anton Logov, Gamlet Zinkivskyi und anderen ukrainischen Künstlerinnen und Künstlern vertraut machen. Nach dem russischen Angriff am 24. Februar 2022 sind einige von ihnen im Kampfgebiet — u.a. in Kyjiw und Umgebung, in Saporizhzhja, Charkiw, Cherson — geblieben, um dort weiter zu wohnen und zu arbeiten. 

Ergänzt wird die Ausstellung durch Bilder aus Kriegsreportagen: Der Fotojournalist Evgeniy Maloletka präsentiert eine Fotoserie die Verteidigung von Mariupol durch die ukrainischen Streitkräfte. Darüber hinaus sind die letzten Arbeiten des ukrainischen Fotografen Maks Levin zu sehen; sie zeigen Aufnahmen der Evakuierung von Irpin. Maks Levin wurde im März 2022 nahe Kyjiw durch eine russische Kugel getötet.

Organisiert wurde das ganze in Rekordzeit von der Agentur PORT. Mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Informationspolitik der Ukraine, des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der Ukraine sowie der staatlichen Agentur der Ukraine für Kunst und Kunsterziehung. Zu den ausgestellten Werken gehören Zeichnungen von Alevtina Kakhidze, die für ihre feministischen Performances und Social-Media-Kunst bekannt ist. Ergänzt wird die Ausstellung durch Bilder aus Kriegsreportagen von Kyjiw, Charkiw und Mariupol. Darüber hinaus sind die letzten Arbeiten des im Krieg getöteten Fotografen Maks Levin zu sehen.

Der Titel des Projekts bezieht sich auf die Geschichte des argentinischen Schriftstellers Julio Cortázar, in der der Protagonist gezwungen ist, aus seinem eigenen Haus zu fliehen, das von einem unbekannten Übel heimgesucht wird.

Das besetzte Haus ist bis zum 15. Mai 2022 kostenfrei in Berlin zu sehen. Danach zieht die Ausstellung weiter nach Paris, Rom und Amsterdam. Die Wanderausstellung will mit den Werken zu einem internationalen Dialog über das Thema Europa anregen.

"Das besetzte Haus" in der Alte Münze Molkenmarkt 2 in Berlin-Mitte, bis zum 15.5., tägl. 12–18 Uhr, Eintritt frei.

"Für die Europäer existiert dieser Krieg nur auf dem Bildschirm ihrer Fernseher, Computer oder Smartphones, als hätte alles, was passiert, nichts mit ihnen zu tun, als würden sie einen Blockbuster im Kino schauen und jederzeit den Saal verlassen können. Die Ukrainer:innen in Charkiw, Mariupol und anderen umkämpften Gebieten aber können nicht so einfach aus dem Saal. Die Ausstellung „Das besetzte Haus“ will die Gäste informieren, vor allem aber will sie die Situation, in der sich die Ukrainer heute befinden, erfahrbar machen. Nur so lässt sich nachempfinden, was real geschieht und warum dieser Krieg sofort beendet werden muss.“ 
Kate Taylor, die Kuratorin des Projekts