Dr. Motte am Fundraving-Modell
Foto: Rave the Planet
Dr. Motte am Fundraving-Modell
Comeback des legendären Techno-Umzugs

Dr. Motte plant Neuauflage der Loveparade

Ob Berlin angesichts des Clubsterbens die Reanimation der Loveparade braucht, will Dr. Motte durch ein Crowdfunding herausfinden.

Für jeden Spender wird eine Figur im Modell aufgestellt
Foto: Rave the Planet
Für jeden Spender wird eine Figur im Modell aufgestellt

Techno-DJ Dr. Motte (bürgerlich: Matthias Roeingh) plant eine Neuauflage der Loveparade in Berlin - jedoch unter neuem Namen. Gemeinsam mit seinem Team der gemeinnützigen GmbH Rave the Planet möchte der der 59-Jährige Loveparade-Gründungsvater Spenden sammeln. Die Gelder seien jedoch nicht für die Realisierung seiner Idee, vielmehr wolle er durch das Fundraising herausfinden, ob die Reanimation der Loveparade überhaupt von der Welt gewollt wird. Ein konkretes Fundraising-Ziel gäbe es daher auch nicht.

So ganz unverzichtbar scheinen Spenden für die Umsetzung dann aber auch nicht zu sein, denn um die 500.000 Menschen müssten schon etwas spenden, damit sich die Veranstaltung noch in diesem Jahr finanzieren lässt, erklärt Pressesprecherin und Dr. Mottes Lebensgefährtin Ellen Dosch-Roeingh gegenüber dem Tagesspiegel. Konkretere Details zu Umsetzung und Durchführung können aktuell nicht kommuniziert werden, da alles davon abhängig ist, wie hoch die Beteiligung am Projekt ist. 

Um Beteiligung und Spenden zu visualisieren gibt es ein Fundraving-Modell, welches die Loveparade in Miniatur abbildet. Mit einer Spende ab fünf Euro können Funder Figuren von Ravern, Trucks oder Bäume kaufen, die dann auf dem Modell angebracht werden. Am Standort des Modells wurde bereits Techno-Geschichte geschrieben: Der Potsdamer Platz, wo sich einst der Garten des legendären Technoclubs Tresor befand. Heute steht da die Mall of Berlin, deren Geschäftsführer die Vision unterstützen. „Es ist uns eine Freude und Verpflichtung zugleich. Als Standort des ehemaligen Clubs Tresor und der jetzigen Mall of Berlin, unweit der legendären Straße des 17. Juni, einstmals Austragungsort der Love Parade, war es für uns ein großes Bedürfnis an diesem Projekt mitzuwirken. Wir sind sehr stolz, mit der Bereitstellung unserer Location für Rave The Planet einen Beitrag für den Erhalt einer einzigartigen Musikkultur leisten zu dürfen", versichert Stephan Klemmer, Geschäftsführer der HGHI Holding GmbH.

Mit der Veranstaltung verfolgen die Organisatoren ambitionierte Ziele. zum einen wolle man sich für den Erhalt der Technokultur stark machen - zum anderen wolle man die elektronische Tanzmusik bei der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe schützen lassen. Ein entsprechender Antrag soll noch in diesem Jahr gestellt werden. Doch damit nicht genug, zudem fordern die Macher einen offiziell anerkannten Feiertag der elektronischen Tanzmusikkultur, der entsprechend auf der Loveparade gefeiert werden soll, die dann ja nicht mehr Loveparade heisst. Ob die Veranstaltung als Demo durchgeht, ist aktuell noch unsicher. Doch politische Raves sind beliebt und so hat auch das Konzept gute Chancen auf Erfolg.

Dr. Motte hatte vor gut 30 Jahren die Loveparade in Berlin gegründet und zur ersten Ausgabe tanzten lediglich 150 Technofans unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" auf dem Kurfürstendamm. Was sich später zu einem Millionen-Rave entwickelte, wurde nach der Insolvenz 2005 an die Betreibergesellschaft Lopaevent von Rainer Schaller verkauft. Seit der Massenpanik mit Toten und Verletzten in Duisburg 2010 gab es die Großveranstaltung nicht mehr.