Sonntag, 21.03.2010
Heute gab‘s Kultur Pur! Mein Reportertag startet im Nationaltheater. Auf der riesigen Bühne stehe ich fast unsichtbar am Rand und beobachte die Generalprobe für die heutige Uraufführung. Das „Kevin O´Day Ballett“ trifft auf elektronische Beats von Stefan Goldmann, dazu gibt es Jazzklänge der Wiener Techno-Tanzband „Elektro Guzzi“. Eine nicht alltägliche Kombination, wenn man an Ballett denkt.
Huch, schon so spät, ich flitze schnell ins den 10. Stock des Collini-Centers. Während im Hintergrund die Sonne langsam untergeht, öffnet David Schumann erst ein Bier und dann sein Buch „The Tokyo Diaries“. Während seines Japanologie-Studiums lebte er für 2 Jahre in Japan. Seine Erlebnisse in der neuen Welt und wie er unfreiwillig zu einem der begehrtesten Models dort wurde, erzählt er in seiner Autobiographie. Nach der Lesung, die zugegeben meine erste Lesung überhaupt war, habe ich Bauchweh vom Kichern. Seine lockere, lustige und teilweise auch sehr drastische Art zu schreiben, lösen beim Zuhörer ein Mixgefühl zwischen Scham und Schadenfreude aus. Sein schreiberisches Vorbild ist Charles Bukowski und das merkt man auch. Ich darf David nach der Lesung zu seinem doch etwas ungewöhnlichen Weg befragen.
Schnell die Tasche packen und wieder rüber zum Nationaltheater flitzen, die Aufführung beginnt und ich werde vom Bass der gewaltigen Anlage direkt in den Sitz gedrückt. Ein Gast steht auf, vielleicht ist es Ihm zu laut? Auch der Besuch eines Balletts, ist eine Premiere für mich. Kleine zierliche Mädchen in rosa Röckchen, die zu klassischer Musik synchron tanzen? – von wegen! Diese Aufführung sollte mein vages Bild gänzlich verändern.
Auf der Bühne ist ordentlich was los. Jungs und Mädels im Chaos, ein reines Gewusel, hier sieht es gerade gar nicht synchron und nach Choreographie aus. Oder doch? Das Kevin O´Day Ballett improvisiert und zwar auf die durchdringenden Beats von Stefan Goldmann, Houseproduzent aus Berlin. Seine Beats begleitet die Wiener Band „Elektro Guzzi“. Ihre Art Musik und Geräusche auf einer eGitarre, einem Bass und einem Schlagzeug zu machen, trägt nun doch noch zur klassischen Dramaturgie eines Balletts bei. Die Aufführung ist eine unglaubliche Erfahrung für mich! Danach gibt es lange, lange Applaus. Die überwiegend jungen Besucher sehen sehr zufrieden aus. Der Plan Impro-Tanz, Jazz und Clubsound zu vereinen, ist aufgegangen. Im Anschluss spreche ich mit dem glücklichen Stefan Goldmann. Er erzählt mir, dass das Projekt eher zufällig zustande kam. Er wurde gefragt und er hat´s gemacht. Danke dafür.